Veröffentlicht am28. August 2012 Von In JN NT U20 Open News Mit296 Aufrufe

Rückblick eines U20 Coaches (Nicolas Miglioretto)

Unser letztes Spiel liegt schon ein paar Tage zurück, die Abschiedsparties sind Geschichte und der Alltag hat wieder Überhand genommen. Zeit für einen Rückblick aus der Sicht eines Coaches.

Das Team und die Leistung:

Sportlich hatten wir zwei Ziele für die WM: Ein Drittel unserer Spiele gewinnen und der 13. Rang. Das erste Ziel haben wir mit 3 Siegen aus 8 Spielen (37.5% Siegquote) erreicht, das zweite mit dem 14. Rang knapp verfehlt. Mit dieser Leistung bin ich als Coach zufrieden, auch wenn das Österreichische Team, das uns im Spiel um Platz 13 geschlagen hat, bezwingbar war.

Als Coaches hatten wir zusätzlich noch ganz andere Ziele, die weniger mit sportlichen Massstäben sondern mit vielmehr mit der Entwicklung der Spieler und dem Vermitteln der Sportart zu tun hatten. Als Coaching Team waren wir uns einig, dass wir den Spielern eine Kombination von Leistungsorientiertem Sport und Spass vermitteln wollten. Wir haben versucht mit Trainingsprogrammen, anderen Vorbereitungsmassnahmen sowie unserem Coaching Stil während den Trainings den Rahmen für eine Stimmung in welcher Leistung gesucht wird und Spass macht. Ein Umfeld in welchem Verantwortung übernommen wird aber man sich selber nicht zu ernst nimmt. Die Idee vom Leistungssport der Spass macht kam meiner Meinung nach gut rüber. Viele der Spieler lernten Ultimate von einer neuen, professionelleren Seite kennen und hatten dabei Spass. Der Umgang mit Verantwortung ist ein andauernder Prozess, in welchem ich als Coach es nicht geschafft habe, alle dahin zu bringen, wo ich sie am Ende der WM gerne gehabt hätte. Ich hoffe aber, Steine ins Rollen gebracht zu haben, die den Spielern helfen den Umgang mit Verantwortung auf und neben dem Spielfeld weiterhin zu üben.

Zuletzt auch noch zu erwähnen ist der hervorragende 4. Platz in der Spirit Wertung. Traditionell weit vorne dabei an Junioren WM und EM, kann die Schweiz auch dieses mal eine hervorragende Wertung Präsentieren

Persönliche Höhepunkte der WM

Natürlich war das Miterleben der unglaublichen Aufholjagd mit abschliessendem Sieg im Doublegamepoint gegen Belgien ein absoluter Höhepunkt der WM. Diese Leistung schreibe ich aber vielmehr den Spielern zu, die auf dem Spielfeld plötzlich massiv aufgedreht haben und enormen Kampfgeist gezeigt haben. Wir als Coaches haben das Team unterstützt, aber die Spieler haben dieses Spiel gewonnen.

Aus meiner Sicht als Coach war das anschliessende Spiel gegen Finnland der grössere Höhepunkt. Mit nur sehr wenig Pause setzten wir auf eine sehr kurze Vorbereitung vor dem Spiel. Wir kassierten zu Beginn gleich drei Punkte, worauf wir ein Timeout nahmen uns sehr ruhig nochmals sammelten und taktisch ein wenig umstellten. Die nächsten fünf Punkte gehörten uns. Wir gingen mit 2 Punkten Vorsprung in die Pause, in welcher ein spontaner und wirkungsvoller Einfall umgesetzt wurde. In einigen vorhergehenden Spielen brachen wir in der zweiten Halbzeit regelrecht ein. Die Idee war eine alte, die in vielen Teams immer wieder gepredigt wird: “Es ist 0:0, wir müssen nochmals richtig ran, das Spiel ist noch nicht gewonnen. Die Umsetzung war eine neue: Wir simulierten im Kurzdurchgang unsere Warmup Routine und sprachen nicht von der zweiten Halbzeit, sondern vom Spiel gegen Finnland. Wir taten so, als würden wir das Spiel gegen Finnland beginnen und bereiteten uns so vor, wie wir es vor jedem Spiel auch taten. Tatsächlich starteten wir die zweite Halbzeit fokussiert und konnten das Spiel kontrollieren. Wir holten im weiteren Verlauf noch Breaks, nahmen unsere Timeouts und beendeten das Spiel sehr souverän mit einem letzten Offence Punkt.

Ein persönlicher Höhepunkt war natürlich auch, dem Organisationsteam, WFDF und EFDF aus der Patsche zu helfen und mit zwei Leuten von Chevron Action Flash den improvisierten Spielplan für Freitag zu schreiben. Aber das hat nicht viel mit dem Coaching zu tun.

Herausforderungen

Die grösste Herausforderung der Woche war für mich, während den Spielen ruhig zu bleiben und mich auf die Dinge zu konzentrieren die ich direkt beeinflussen kann. In verschiedenen Situationen als Spieler aus Unkonzentriertheit Anfängerfehler machten oder sich nicht an taktische Anweisungen hielten verliess mich die Ruhe leider dann und wann. Es sind aber wertvolle Erfahrungen die ich als Coach sammeln konnte. Aus dem Bestreben, mich auf die Dinge zu konzentrieren die ich verändern kann, kann ich hoffentlich auch als Spieler viel mit aufs Spielfeld mitnehmen.

Das Turnier

Allgemein war das Turnier nicht schlecht, aber definitiv auch nicht gut organisiert. Das lokale Organisationskomittee hatte den Aufwand offensichtlich unterschätzt und es leider verpasst, für viele ihrer Offenen Fragen im Vorfeld erfahrene Leute zu konsultieren. Zudem war die Kommunikation schlecht bis inexistent. Als Teamverantwortlicher musste man sich die Informationen auf dem ganzen Campus erfragen und teilweise Aussagen von anderen Coaches vertrauen, da man nirgends offizielle Angaben fand. Für viele kleine Probleme wurden im keine Lösungen gesucht, so dass oft improvisiert werden musste. Beispielsweise mussten für das Finalfeld einige Linien mit Tape (!) geklebt werden, da sich die gezeichneten Linien zu nahe von Blechwerbetafeln befanden und niemand vor Ort Zugang zu einem Markierwagen hatte…

Ausserdem war es ein Frust mit anzusehen wie die Verbände teilweise gegen die Organisatoren und Teamverantwortlichen arbeiteten. Als Folge einer sinnlosen Intervention von WFDF musste der Spielplan vom Freitag notfallmässig von Leuten erstellt werden, die weder mit den Verbänden noch mit dem lokalen OK irgendwas zu tun hatten.

Trotzdem war das Turnier für die Junioren ein grossartiges Ereignis. Trotz Chaos und schwierigen Wetterverhältnissen blieb die Stimmung gut. die Spielqualität litt etwas unter den windigen Verhältnissen. Liess der Wind nach, konnten aber immer wieder hochstehende Spiele beobachtet werden.

Danke!

Zuletzt bleibt noch ein grosses Dankeschön! An die vielen verschiedene Adressen, die diese Erfahrung möglich gemacht haben:

  • SUA: Finanzielle Unterstützung
  • Patagonia: Equipment Sponsoring
  • tiim Sport: speditives und perfektes Bedrucken der Shirts
  • Boys to Men: Mentales Training zu sehr vorteilhaften Konditionen
  • Markus “Küse” Schwarz, Panthers: Organisation Training Bern
  • Erich “Busch” Britschgi, HiJackers: Organisation Training Kerns
  • Crazy Dogs: Trainingsspiel in Kerns
  • Familie Müller: Abendessen und die Übernachtung in Basel
  • Familie Herren: Abendessen in Bern
  • Familie Szabo: Frühstück in Bern
  • Reto Barmettler und Mario Zelger: Junioren Blog
  • Oli Gaugler: Physio für U20 und U17 während des ganzen Turniers
  • Alle Coaches: für eine super Zusammenarbeit und eine gelungene Kampagne
  • Diversen Spieler und Coaches: Fotos auf dem Blog