Veröffentlicht am16. August 2012 Von In JN NT U20 Open News Mit262 Aufrufe

U20 Tag 5, Belgien & Finnland

Der Donnerstag hier in Dublin war aufgrund der abgesagten Spiele umgestaltet worden. So musste die Schweizer U20 einen ungeplanten 20 minütigen Fussmarsch angehen vor den Vorbereitungen für das Spiel gegen Belgien.

Bei schönem Wetter und ziemlich viel Wind begann das Spiel mit Punkten auf beiden Seiten. Beide Teams hatten Mühe ihre Punkte zu schreiben und bauten auf Zonen Verteidigung. Kurz vor der Halbzeitpause (die erst 15 Minuten zu spät stattfand…) konnten die Belgier ein entscheidendes Upwind Break schreiben und dieses downwind auch gleich bestätigen. So lagen wir zur Pause mit zwei Punkten zurück.

Nach der Pause wurde der Wind sehr unbeständig. Manchmal windete es so stark, dass ein upwind Huck kaum 40m weit kam, dann war es wieder beinahe windstill. Das Team hatte Mühe auf diese Verhältnisse zu reagieren und verpasste die eine oder andere Möglichkeit zurück zu breaken. Stattdessen endete Halbzeit zwei mit einem von zwei weiteren belgischen Breaks zum 5:9. Spiel auf 11. Die Schweiz nahm nochmals ein Timeout. Es wurde darüber beraten, entweder nochmal die ganze verfügbare Enegrie in dieses Spiel zu stecken und zu versuchen das Unmögliche möglich zu machen, oder Kräfte zu schonen für das zweite Spiel gegen Finnland. Das Team entschied sich zu ersterem: Mission Impossible!

Nach einer souverän verwandelten Offence konnte gleich das erste Break geschrieben werden, plötzlich stand es nur noch 7:9. Der nächste Punkt gehörte wieder den Belgiern zum 7:10. Mit dem Rücken zur Wand schrien sich nochmals alle ihre Seele aus dem Leib und holten alles aus ihrem Körper heraus. Einem ziemlich umkämpften 8:10 folgte ein ewig dauernder Punkt, den wir dann letztendlich mit viel Effort und noch mehr Glück wieder für uns entscheiden konnten. Nur noch 9:10. Auch der nächste Punkt war hart umkämpft. Die Belgier taten sich schwer, gute Entscheidungen zu treffen und brachten die Scheibe gegen den Wind nicht wirklich in die Nähe unserer Endzone. Nachdem sie sich mit komfortablem Vorsprung in Sicherheit gewähnt hatten zeigten sie sich nun doch sichtlich nervös. In dieser Phase packten die Schweizer alles aus, was bisher noch nicht immer funktioniert hatte. Spektakuläre Defence und Offence Dives, fabulöse Pässe mit und gegen den Wind… Mit eben einem dieser Dives holten wir uns den Punkt zum 10:10. Unser Spiel dauerte nun schon über 2 Stunden. Seit der achzigsten Minute spätestens spielten wir nur noch zu 14, in den folgenden 40 Minuten fielen noch weiter Spieler wegen kleineren Blessuren aus. Die übrig gebliebenen kämpften fast bis zum Umfallen. Der letzte Punkt bestand zu über der Hälfte aus Adrenalin und Spannung. Ein fast perfekt gespielter Pull gegen den Wind eröffnete den Double Game Point. Die nächsten 10 Sekunden bissen die Schweizer in einer Mann Deckung nochmals richtig auf die Zähne, um die Scheibe rund 10 Meter vor der gegnerischen Endzone mit einem weiteren Defence Dive zu holen. Zwei Pässe sollten die Sache klar machen, aber die Belgier wollten unsern Spieler im Aus gesehen haben beim Punkten. So ging die Scheibe zurück und wir liessen den nächsten Pass unglücklich fallen. Mit dem Wind gegen uns war die wohl beste Möglichkeit diesen Punkt zu schreiben vergeben. Doch schon auf den nächsten Pass kam wieder ein Schweizer von irgendwoher geflogen, der uns die Scheibe nun 15 Meter von der Endzone entfernt bescherte. Mit ein paar ruhigen Pässen und einer souveränen Dump-Swing Continuation schrieb die Schweizer Nummer 2 seinen ersten Punkt dieses Turniers, den letzten dieses Spiels, den unvergesslichsten für das Team…

In diesem Cap wurde ein Märchen geschrieben. Im Timeout beim Stand von 5:9 wollten die Spieler kämpfen. Jeder träumte von dieser Geschichte, keiner wollte aber wirklich dran glauben. Mit jedem Punkt kam das Happy End aber näher. Mit jeder Minute wuchs der Glaube an den Sieg. Mit dem letzten Punkt brachen Spieler, die über ihre Grenzen gewachsen und gegangen waren zusammen. Freudentränen komplettierten das Bild des unglaublichen Augenblickes in dem wir dieses Spiel doch noch gewinnen konnten! Eine Geschichte die bei weitem nicht jeder Ultimate Spieler in seiner Karriere erleben darf. Eine Geschichte die noch lange in Erinnerung bleiben wird und der nächsten und vielleicht übernächsten Generation von Frisbee Spielern noch erzählt werden wird…

 

Weil unser Spiel gegen Belgien über 2 Stunden gedauert hat, hatten wir nur gerade mal eine gute Stunde Zeit bis zum nächsten Spiel. Essen, trinken und Schatten waren angesagt. Etwa 25 Minuten vor dem Spiel stimmte das Team sich ein auf ein nächstes Abenteuer und versuchte die ausgelaugten Beine nochmals aufzuwärmen.

Bei etwas weniger starkem Wind starteten die Schweizer unkonzentriert und nachlässig und sah sich gleich mit einem 0:3 Rückstand konfrontiert. Ein Timeout und ein paar Worte der Coaches zeigten Wirkung: die nächsten 5 Punkte gehörten der Schweiz. Die Finnen versuchten immer wieder ins Spiel zurück zu kehren. Bis zur Pause konnte die Schweiz das Spiel aber kontrollieren und konnte den 2-Punktevorsprung zum Pausenstand von 8:6 verteidigen. Die Coaches liessen sich für die zweite Halbzeit, in welcher das Team schon vermehrt eingebrochen war mal etwas neues einfallen. Die 10 minütige Pause wurde genutzt, um in den ersten paar Minuten auszuklinken, zu trinken und zu verschnaufen. Danach trafen wir uns, um unsere gewohnte Warmup Routine zu absolvieren, wie wir sie vor jedem Spiel etwa durchführen. Es wurde stets vom “Warmup fürs Spiel gegen Finnland” gesprochen, es wurden ein paar taktische Anweisungen und Informationen über den Gegner erklärt, dann startete das Team so, wie es in ein Spiel starten würde.

Mit Offence und Rückenwind zur Eröffnung der zweiten Halbzeit wurde gleich der 3-Punktevorsprung realisiert. Auch in der zweiten Halbzeit gab die Schweizer U20 das Spieldiktat nicht mehr aus der Hand. Abgeklärt wurde Punkt für Punkt realisiert, dann und wann ein Break geschrieben und am Ende stand 15:9. Finnland mit dem etwas grösseren Kader und den klar besseren Werfern blieb am Ende nur das Nachsehen…

Mit einer grandiosen Leistung holte sich die Schweiz im Placement Pool den Gruppensieg und kann je nach Spielplan (immer noch Wetterabhängig) Morgen entweder um die Plätze 11-14 oder 13-16 spielen…

3 Responses

  1. SUPER Jungs. Da habt ihr euch aber kräftig motiviert und ins Zeug gelegt, dass ihr dieses Spiel noch drehen konntet.

  2. ……. sensationel Jungs , unglaublich euer Kampfgeist . Bravo !!!

  3. Gratuliere! Go Swiss! schöns, sehr schöns Comeback!

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